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KTM Scarp Sonic 12 2018

KTM Scarp Sonic 12 2018

11.05.18 22:29 28.131Text: Tom Leitner-WeissFotos: Erwin HaidenLeicht, schnell, steif - kann KTM's Rennfeile Scarp Sonic 12 auch einen bekennenden Hobbytiger fernab jedweder Superbike-Allüren von seinen Qualitäten überzeugen?11.05.18 22:29 28.447

KTM Scarp Sonic 12 2018

11.05.18 22:29 28.44713 Kommentare Tom Leitner-Weiss Erwin Haiden This story is also available in EnglishLeicht, schnell, steif - kann KTM's Rennfeile Scarp Sonic 12 auch einen bekennenden Hobbytiger fernab jedweder Superbike-Allüren von seinen Qualitäten überzeugen?11.05.18 22:29 28.447

Alles beim Alten und doch so neu. Seit NoMan das KTM Scarp im Jahr 2016, dazumals recht frisch geschlüpft, erstmals ausführlich unter die Lupe genommen hatte, vollzogen sich abenteuerliche Wechsel auf großen wie kleinen politischen Bühnen, änderte die Gegnerschaft des Individualverkehrs wiederholt das zu verteufelnde Feindbild und erfand die Industrie manch unabkömmlichen Standard, welcher unser gerade von der Hand abgespartes Schätzchen bereits wieder leicht angestaubt aus den Hitlisten der Bravo-Hefte vertreibt. Und das Scarp? Nunja, dieses blieb zwar in seiner klar rennorientieren Grundform bestehen, erhielt allerdings ein neues Aushängeschild mit nochmals gewichtsoptimiertem Carbonlayup und feinstem Ausstattungspaket.
Derart fettreduzierte Topmodelle tragen bei KTM seit geraumer Zeit den Schriftzug Sonic im Namen. So auch das aktuelle Scarp Sonic 12. Eigentlich die perfekte Waffe für anspruchsvolle Marathons - oder um einem genügsamen Freund sein betagtes 26" Hardtail madig zu machen?
Zweimal flott, einmal alt und einmal neu - im Dienste der Forumswissenschaft, so hatten es die Chefitäten entschieden, sollte Labormaus Tom herausfinden, wie sich das KTM Sonic für jemanden jenseits der Dekadenz unserer bauchgepinselten Pressewelt anfühlt.

 Als passionierter Alpinist der alten Schule fand ich seit jeher Gefallen an den einfachen, puristisch und minimalistisch gehalten Dingen. 

Thomas Leitner-Weiss, BB-Testdummy

Optik, Ausstattung und erster Eindruck

Als passionierter Alpinist der alten Schule fand ich seit jeher Gefallen an den einfachen, puristisch und minimalistisch gehalten Dingen des (sportlichen) Alltags. Gerade was Material und Gerätschaft betrifft, zählt für mich auch abseits der Berge in erster Linie Reduziertheit - eine Anforderung, welche das KTM bereits halb vormontiert neben dem Karton lehnend zu erfüllen scheint.
Das für die Oberösterreicher so typische Orange dezent über Rahmen und Komponenten verteilt, sind die Firmenlogos am Sonic deutlich weniger plakativ platziert als bei anderen Modellen der Scarp-Serie. Dies verleiht dem Rad trotz golden glänzenden Fox Fahrwerks samt ebenso beschichteter XX1 Eagle ein gewisses Maß an Understatement. Wobei, dass mit dem Sonic kein Otto-Normal-Bike vor einem steht, begreift dann doch auch der Laie recht rasch.

Für die Saison 2016 eingeführt und damit nun im dritten Produktionsjahr, setzt KTM auch am neuen Scarp Sonic auf seinen Straight Line Link (SLL) Hinterbau mit sportlich straffen 90 mm Federweg. Das System reduziert die auf den Rahmen einwirkenden Kräfte, wodurch die Entwickler einiges an Material und damit Gewicht einsparen konnten. Zusätzlich wurde der vierte Lagerpunkt an den Ausfallenden gestrichen und durch flexende Sitzstreben ersetzt. Nähere Informationen dazu im ausführlichen Testbericht zum "normalen" Scarp.
Um weiteres Gewichtspotenzial aus dem Rahmen zu quetschen, durften sich die Ingenieure am Sonic mit hochwertigeren Carbonfasern und neuen Layups austoben. Das Resultat? Der elegante Rahmen stoppt die Waage laut Hersteller nun bereits deutlich unter der 2-kg-Marke - nämlich bei 1.750 g. Dazu kredenzen die Mattighofener feinste Anbauteile aus des Rennfahrers schönsten Träumen.

Tech Specs

Rahmen: Scarp 29" UD Performance Carbon/Carbon
SLL →Straight-Line-Link→ 90mm, R: Boost 148TA
Bremsen: Magura MT8 (160/160 mm)
Dämpfer Fox Float DPS Factory Sattelstütze: KTM Prime (30.9 mm)
Gabel: Fox 32  Float SC Factory 15 x 110 mm Sattel: Selle Italia SLR X Cross Flow
Lenker: KTM Laufräder: KTM-DT XRC1200 SPL, B/B 29", Tubeless DT Swiss straightpull - Boost 110/148
Vorbau: KTM Reifen: Schwalbe Thunder Burt 54-622, Evo,Liteskin
Schaltgruppe: Sram XX1 Eagle Gewicht: Werk: 9.2 kg, BB: 9.27 kg (RH 53 cm)
Kurbel: Sram XX1 Eagle Boost PF Carbon; 34Z Preis: € 7.999,-

Eine komplette XX1 Eagle von Sram für den Vortrieb, Maguras edle MT8 samt 160 mm Scheiben, damit die Fuhre auch wieder stehen bleibt. Dazu ein Fahrwerk aus Fox Float DPS und 32 Float SC, beide in hochwertigster Factory Kashima Gewandung, sowie KTM-gelabelte DT-Swiss XRC1200 Spline Carbonlaufräder. An den Reifen schießt KTM dann allerdings mit Schwalbes zahnlosem Thunder Burt etwas über das Gewichts-Ziel hinaus. Jenseits befestigter Wege wirkt dieses Fliegengewicht rasch fehl am Platz. Lenker, Vorbau sowie Sattelstütze aus eigenem Haus runden das vortriebswillige Paket ab.
Was ich als Hobbytiger etwas vermisse, ist ein Hebel an der Steckachse. Jedes Mal, wenn das Laufrad - etwa beim Verladen ins Auto - raus muss, den passenden Imbus dabei haben zu müssen ... naja. Es gab mal eine Zeit, da war man mit Schnellspannern der King. Aber das ist wohl Rennsport ;-)
Dafür wirkt das Cockpit trotz Remote Lockout von Gabel und Dämpfer dank 1 x 12 Antrieb herrlich aufgeräumt und im Inneren des Rahmendreiecks finden zwei Flaschenhalter bequem Platz.

Das Rad beinahe stereotyp in der rechten Hand prüfend vom Boden gehoben, überrascht es dann - trotz des Wissens um die selbst gewogenen 9,27 kg - doch, wie leicht sich dieses anfühlt. Zumal man ja ein Fully auf 29" vor sich hat - in Größe 53, wohlgemerkt.
Sportliche Optik, ganz nach meinem Geschmack reduziert auf das Wesentliche, dazu wertige Verarbeitung und erlesene Komponenten. Der erste Eindruck macht neugierig. Doch zum Preis von € 7.999,- wird man sich das auch erwarten dürfen.

Geometrie

Größe in cm 43 48 53
Größe in Zoll 17 19 21
Oberrohrlänge (mm) 600 620 640
Sitzwinkel 74,5°/72,7° 74,5°/72,9° 74,5°/73°
Lenkwinkel 70 70 70
Steuerrohrlänge (mm) 105 115 125
Kettenstrebenlänge (mm) 441 441 441
Radstand (mm) 1129 1149 1170
Stack (mm) 603 612 621
Reach (mm) 433 450 468

Erfahrungen auf Neuland

Endlich die erste Kilometer abspulend, beschleicht mich das Gefühl, ein "Nichts" von einem Bike unterm Hintern zu haben. Ich genieße: leichtfüßiges Beschleunigen, wendiges Hakenschlagen und stets immensen Vortrieb.
Schmaler Lenker, langes Oberrohr und in Summe gestreckte Sitzposition, dazu ein recht steiler Lenkwinkel - das Scarp Sonic liest sich am Papier wie ein echter Racer, und fährt sich auch so. Trotz seiner recht sportlichen Ausrichtung ließ sich jedoch eine überraschend angenehme Sitzposition finden. Ob meiner 1,92 m bin ich sonst oft am dunklen Ende der sportlichen Komfort-Skala, aber am 53er-Rahmen (dem größten im Sortiment) war ich rasch mit meiner Sitzposition zufrieden. Ein paar Zentimeter mehr fänden sich wohl auch noch zurecht, über 1,95 wird es dann aber auch am KTM eng.

Erstaunlicherweise nahm es einige Zeit in Anspruch, ehe sich der Umstieg von kleinen 26" Rädern auf ein 29er bis zu meiner Feinmotorik durchgesprochen hatte. Ein - wohl zum Teil nur gefühlt - höherer Schwerpunkt und das agil einlenkende Vorderrad kosteten mich anfangs einiges an Überwindung, überhaupt mal die Hände vom Lenker zu nehmen. Nach etwas Eingewöhnungszeit warf ich allerdings sämtliche Bedenken über Bord und das Vertrauen ins Rad wuchs Meter für Meter. Es ist doch alles nur Kopfsache ...

Gerade auf flachen Etappen und glattgebügelten Anstiegen fein: Das intuitiv und klar zu bedienende Lenker-Lockout. Ja, es gehört mittlerweile an solchen Bikes zum guten Ton. Für mich ist es dennoch erwähnenswert nobel, nicht länger unwürdig an Dämpfer und Gabel herumfudeln zu müssen, sondern leichtgängig mit dem Daumen zwischen "offen" und "zu" wählen zu können.
Mit aktiviertem Lockout fährt sich das Scarp dann auf Schotter und flachen Etappen beinahe wie ein Rennrad. Kein Fünkchen an ins System eingebrachten Watt scheint so vergebens, und die schnellen Schwalbe Thunder Burt laufen zur Höchstform auf.

Geöffnet saugen Hinterbau und Gabel kleine wie größere Schläge gut weg, das SLL-System ist zwar ständig leicht in Bewegung, lässt dies aber nie negativ an der Tretbewegung ankommen. Dafür bietet der sensible Hinterbau viel Traktion - deutlich mehr als die im Gelände eindeutig zu schmalbrüstigen Thunder Burt je übertragen könnten. Doch Reifen sind ja flott getauscht und geeignete Alternativen zur Genüge vorhanden.
Wenn wir schon von Alternativen sprechen: Lenker und Vorbau am Scarp verwinden sich (nicht nur) im Wiegetritt merklich. KTM könnte hier mit den Produkten seiner Hausmarke das Ziel verfolgt haben, den Komfort nochmals zu steigern - oder jemand hat einfach den Rotstift angesetzt. Schwereren Fahrern ist hir definitiv ein Upgrade zu empfehlen.

Wird die Gangart flotter, das Gelände deutlich technischer und neigt sich der Trail, so wird der Spaziergang zwischen Wendigkeit und Nervosität am KTM zur schmalen Gratwanderung. Auch hier könnte wohl ein Reifentausch der Gesamtperformance zuträglich sein. Zumal der Hinterbau seine 90 mm Federweg schon auf einfacheren Pfaden gut nützt, dabei aber weder durchsackt noch durchschlägt. Und auch Gabel und Magura MT8 vermitteln stets, noch Reserven zu haben - ein eindeutiges Sicherheitsplus für jedwedes Fahrkönnen.
Potenzial in der Abfahrtswertung wäre also durchaus vorhanden. Potenzial, welches für fahrtechnisch weniger Gesegnete wohl auch eine hydraulische Sattelstütze in sich bergen würde. Zur internen Zugverlegung vorbereitet wäre das Scarp allemal. Die Paradedisziplin der Rennfeile ist und bleibt aber der Vortrieb und die Leichtigkeit des Seins - da passt ein Dropper in den seltensten Fällen ins Bild.

Wobei: Für eine Rennfeile erweist sich das KTM als erstaunlich alltagstauglich und wenig divenhaft. Eine Eigenschaft, welche mir als spießigem Bike-Monogamist gerade ob des ausgerufenen Preises für eine Kaufentscheidung nicht unwesentlich erscheint. Die langweilige, dem Rad völlig unwürdige Pendelstrecke zur Arbeit, ein entspannter Ausflug mit den Kids zum Spielplatz, all dies lässt das Scarp Sonic geduldig und ohne Murren über sich ergehen. Einzig der zum Laufradausbau unabdingbare Inbus und die fummelige, mit Mini-Tool kaum zu bewerkstelligende Schrauberei an der sich lockernden und dann knacksenden Sattelklemmung lassen Raum für Nörgelei. (Zudem ist es schier unmöglich, das Sattelgestell mit der verbauten Stütze so zu klemmen, dass man innerhalb der "min-max" Markierungen und damit der Gewährleistungsbestimmungen bleibt. Anm. d. Red.)

Der Vielseitigkeit des Rades steht dann auch die edle XX1 Eagle gut zu Gesicht. Sicherlich nicht, was den kostengünstigen Ersatz etwaiger Verschleissteile betrifft, aber sehr wohl hinsichtlich der enormen Bandbreite des 1 x 12 Antriebs. 34 Zähne am Kettenblatt gepaart mir der handtellergroßen 10-50 Zahn-Kassette lassen selbst mich als bekennenden Hobbyfahrer abseits der steilen Alpenrampen keinerlei Nachteile zur eigenen 2 x 10 und 3 x 9 Schaltung erkennen. Für Ausflüge in wahrhaftige Berge und dauerhaft steile Rampen ließe sich, sofern an solch einem Fliegengewicht überhaupt nötig, ja gegebenenfalls immer noch kettenblatttechnisches Downsizing zelebrieren.

Fazit

KTM Scarp Sonic 12
Modelljahr: 2018
Testdauer: 4 Wochen
Preis: € 7.999,-
+ steifer Rahmen
+ top Ausstattung
+ leichte Laufräder
+ tolle Schaltung; Übersetzung
+ Gewicht und Vortrieb
o Preis
- Bereifung
- mäßig steifes Cockpit
- fummelige, leicht knarzende Sattelklemmung
BB-Urteil: Unglaublich schnelle Rennfeile mit Alltagseignung

Auch für Hobbytiger wie mich ist das KTM Scarp Sonic ein absolutes Traumbike, das weder optisch noch technisch viel Raum für Wünsche offen lässt. Edle Komponenten, Top-Rahmensatz und sportliche, rennlastige Geometrie mit genügend Restkomfort. Kompromisslos auf Leichtbau getrimmt, schießen die Mattighofener für Otto-Normalo in manchen Details vielleicht etwas über das Ziel hinaus - vor allem, was die Wahl der schnellen, aber doch etwas zahnlosen Reifen und des nicht ganz so steifen Cockpits betrifft.

Dafür belohnt es seine Fahrer jederzeit mit enormem Vortrieb, giert schier nach immer längeren Stunden im Sattel. Anlass dafür gibt das KTM ja genug - von der schnellen Hausrunde über ausgedehnte Touren bis hin zu langen Marathons oder dem schnöden Weg zur Arbeit. Für mich und meine bevorzugten Strecken dient ein Griff zum Fully weniger der gesteigerten Abfahrtsperformance. Vielmehr ist es das gehörige Plus an Komfort auf langen Strecken, welches zum gewichtigsten Argument gegen das Hardtail wird. Wenn dieser Komfort dann in solch federleichten und agilen Kleidern steckt, bekommt die Sache für mich ein Gesicht.

Für den ausgedehnten Toureneinsatz eventuell noch mit Dropper-Post verfeinert, ist das Scarp für mich ein perfekter, weil stets flotter und bequemer Hardtailersatz. Dass sich echte Racer am Bike wohlfühlen, beweisen die Fahrer des KTM Pro Team ja ohnehin im Weltcup.
Angesichts der gebotenen Ausstattung zwar gerechtfertigt, bleibt als einziger Wermutstropfen der gesalzene UVP von € 7.999,-.
Stellt sich die Frage: Muss man solch ein Bike sein eigen Nennen? Mit Sicherheit nicht. Aber die überraschende Vielseitigkeit solch eines dekadenten Fliegengewichts singt dann doch nächtens ihr süßes Lied der Verlockung ...


Ist ein wenig OT:

Ich liebe den ThunderBurt (hinten) und bin damit bereits mehrmals (ohne Defekt) in Bad Goisern auf der A ins Ziel gefahren.

Der Reifen ist im nicht-trockenen viel besser als man ihm zutraut.

 

Eine Bereifung dieser Art ist für mich auf einem ready-to-race (um den Slogan aus der motorisierten KTM Fraktion zu klauen) absolut legitim.

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Hi

Was wäre Eure Reifenempfehlung anstatt der ThunderBurts (H/V)?

 

Specialized

Renegade hinten

Fast Trak vorne

 

oder

 

Maxxis

Aspen hi

Ikon vo

 

Im Schwalbe-Universum:

RacingRalph hi u RocketRon vo

 

Wenn man nicht zwingend tubeless fahren will:

Conti

RaceKing hi

CrossKing vo

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Versteh einfach nicht wieso KTM oder auch andere Hersteller jedesmal wieder diese beschissenen Thunder Burt Reifen draufhaun...
Billiger kommst nicht zu einem tollen Kataloggewicht.

Und es wird sowieso jeder einen Reifen nach seinem Geschmack montieren. (genauso wie Sattel und Vorbau bzw. ev. Lenker/Griffe -- eig. könnte man teure Radln ohne das alles ausliefern ;) )

 

Zum Radl selber: Traum-Marathonradl, Wahnsinnsgewicht. Tät ich geschenkt gleich nehmen!

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