Passwort vergessen?
Größe: 175 cm Schrittlänge: 84 cm Gewicht: 70 kg Fahrstil/-können: Rennrad & Gravel, gute Ausdauer, wenig Power, volles Risiko bergab - wird allerdings selten belohnt
Obwohl Scott mit dem 2015 vorgestellten Addict CX schon ein heißes Eisen für Off-Roadies im Feuer hatte, legten die Schweizer nun mit der exklusiven HMX-Carbonvariante Addict Gravel 10 Disc noch eines drauf. Leichter, aber ebenso steif und komfortabel wie sein HMF-Vorgänger (dieser lautet 2017 auf die Modellbezeichnung 20) will es sein und das "Graveln" auch Wettkampffahrern schmackhaft machen. Mit knapp 1.300 g (Herstellerangabe, Rahmen 890 g, Gabel 390 g) zählt das Frameset zu den leichtesten seiner Art und bringt als Komplettbike in Gr. 54 nur 7,56 kg auf unsere BB-Waage.Auch in Bezug auf die Geometrie geht Scott mit dem Addict Gravel Disc eigene Wege. Es ist nicht annähernd so nervös wie antiquierte Cyclocrosser, noch übertrieben entspannt wie klassische Endurance-Bikes, auch kein billiger Abklatsch vom Pro-Tour-Disc-Renner, sondern ein reinrassiger Gravel-Racer mit sportlicher Sitzposition, hoher Laufruhe und agilem Handling. Der exklusive Carbon-Rahmen und die Gabel lassen viel Platz für breite Reifen und Matsch und führen Schaltzüge und Hydraulikleitungen innen. Steckachsen vorne und hinten, Srams Force 1 Disc-Gruppe mit hoher Übersetzungs-Bandbreite, ein guter Komponentenmix und breite Laufräder mit fetten Tubeless-Pneus von Schwalbe runden das Paket ab.
Bei aller Gewichtsersparnis sollen die Carbon-Konstruktion (z.B. IMP Front-Dreieck, PF86 Tretlager, größere Rohrdurchmesser) und die hauseigenen Steckachsen (vorne 100x12, hinten 142x12 mm) für höchste Steifigkeit in allen relevanten Bereichen sorgen. Zudem wurden Rohrquerschnitte und Carbonlaminierung für jede Rahmengröße optimiert, was zu annähernd gleichen STW-Werten von XS bis XL führen soll.Rahmen und Gabel sind hinsichtlich Scheibenbremsen-Standard sowohl Postmount- als auch Flatmount-kompatibel, sämtliche Züge werden innen geführt. Schalten ist mechanisch wie elektrisch möglich, auch an die künftige Möglichkeit einer versenkbaren Sattelstütze wurde gedacht. Den Komfort sollen Features wie direkt mit dem - zum Knotenpunkt hin oval geformten - Oberrohr verbundene Sitzstreben, eine 27,2 mm Sattelstütze und somit mehr vertikaler Flex garantieren.
An Gravel-typische Anforderungen wie viel Reifenfreiheit, zwei Flaschenhalter und einen leicht nach außen gekrümmten Lenker mit gut dämpfendem Lenkerband wurde gedacht. Ebenso an nicht selbstverständliche Features wie eine Kettenstrebenform, die das Festsetzen von Dreck erschwert, eine komplett abnehmbare Umwerfer-Aufnahme und der integrierte Kettenfänger. Angeboten wird das Addict Gravel Disc in fünf Größen (49-58 cm) und zwei Versionen (Modell 10: HMX-Carbon, Sram Force 1 vs. Modell 20: HMF-Carbon, Shimano Ultegra 2x11). Zwei weitere Alu-Pendants hören auf den Namen Speedster und sind mit Shimano Ultegra 22s und hydraulischen Stoppern bzw. Shimano Tiagra 20s und mechanischen Scheibenbremsen bestückt.
Das Addict Disc/Gravel/CX verwendet zur Kettenführung bei 2-fach Schaltgruppen die gleiche Plattform wie das Scale (Scott Art. Nr. 219578). Die Halterung für den Umwerfer ist im "Chainguide Set Addict CX" enthalten (Art. Nr. 242435).Entfällt der Umwerfer, wie bei unserem Testrad wegen der Sram Force 1, können Umwerfer-Halterung und Standard-Kettenführung gegen eine formschöne und zuverlässige 1-fach Kettenführung getauscht werden (Art. Nr. 242435).
Leichtfüßige Beschleunigung trotz fetter Reifen.
Sehen wir einmal von der traditionellen Cyclocross-Geometrie mit kurzem Radstand und steilem Lenkwinkel ab, bringen die meisten Gravelbikes ihre Fahrer eher in eine entspanntere Position und sorgen mit längerem Radstand, breiten Reifen und Scheibenbremsen für hohe Laufruhe, Sicherheit und Komfort - ideal für's große Adventure abseits der Asphaltpisten, bei längeren Endurance-Trips oder dem täglichen Commuter-Ride durchs Hinterland. Als Kontrast dazu bringen die Modelle der Addict Gravel-Familie mit Scotts "race-ready Endurance-Geometrie" den Fahrer in eine gestreckte, aerodynamisch günstige, aber dennoch ausgewogene Position. Gerade im Unterlenkergriff sitzt man hier so sportlich wie auf kaum einem andern Offroad-Renner, jedoch keineswegs übertrieben aggressiv. Neben der brutalen Beschleunigung und einem mitreißenden Vortrieb glänzt der Gravel-Racer nicht zuletzt wegen des flachen Lenkwinkels und der dafür optimierten Gabel mit stoischem Geradeauslauf und bester Kontrolle bergab.
Gestreckt, aerodynamisch günstig, aber dennoch ausgewogen.
Der Name "Addict" steht für Rennsport. Wie Scotts gleichlautende Straßenräder und Cyclocrosser, so ist auch das Addict Gravel 10 kein klassisches Endurance-Bike mit gemäßigter Geometrie, sondern eine sportliche Allzweckwaffe für sämtliche Straßenbeläge bei jeder Witterung. Selbstverständlich ist die race-ready Endurance Geometrie nicht so extrem ausgeprägt wie jene der Pro-Tour-Straßenboliden, und so lässt sich das Addict Gravel in entsprechender Konfiguration (Rahmengröße, Spacerturm, Vorbaulänge) auch als Allrounder einsetzen. Hingegen gibt es für Einsteiger, Citybummler, Abenteurer und Granfondo-Fans gewiss besser geeignete Bikes - und vor allem zu einem günstigeren Preis.
Offroad-Rakete für eingefleischte Wettkämpfer und Technik-Nerds.
Mit dem Addict Gravel mutiert jeder Schotter- und Waldweg zur Mutprobe. Während die Sitzposition fast wie auf einem richtigen Rennrad recht gestreckt und mit deutlicher Überhöhung ausfällt, sorgen der flache Lenkwinkel, ein längerer Radstand und die breiten Reifen für hohe Laufruhe bei exzellenter Kontrolle und laden zum Bolzen ein. Obwohl sich das Scott dabei etwas härter und direkter als vergleichbare Räder fährt, bleibt der Komfort Dank des vertikal gut flexenden Rahmens und der vorzüglichen Ausstattung nicht auf der Strecke. Ebenso sportlich wie die Geometrie und die STW-Werte des leichten Rahmen-Gabel-Sets ist allerdings auch der Kaufpreis in Höhe von 5.999 Euro.Srams Force 1 Gruppe arbeitet wie gewohnt präzise, bietet mit dem 44er Blatt vorne und der 10-42er Kassette hinten eine hohe Bandbreite und bremst mit hydraulischen 160 mm-Scheibenbremsen kräftig, aber stets gut dosiert. Eine wahre Wohltat für Arme und Handgelenke ist Syncros Gravel-Lenker aus Carbon mit idealer Ergonomie am Oberlenker und den leicht nach außen gekrümmten Lenkerbögen. Vibrationen werden vom dicken Scott-Lenkerband gut entschärft.Gleichermaßen gefallen die Syncros-Laufräder in Kombination mit den 35 mm breiten Schwalbe G-One Gravelreifen, welche auf festem Schotter und Waldwegen einen sicheren Halt bei guter Dämpfung bieten und auf Asphalt schnell dahinrollen. Richtig schnell! Die Kombination kann auch Tubeless gefahren werden, also mit Dichtmilch anstatt des Schlauchs, was Gewicht spart und einen noch geringeren Reifendruck bei besserem Pannenschutz ermöglicht. Dazu sah ich bis dato noch keine Veranlassung, da ich bei 2,5 Bar vorne und hinten (70 kg Fahrergewicht) keinerlei Einschränkungen bemerken konnte, geschweige denn eine Panne hatte. Welch Wunder!Hinweis am Rande: Ein zwischenzeitliches Upgrade der Sram Force 1 Kurbel auf einen p2m Type S Powermeter (S900 Standard) war nicht von Erfolg gekrönt, da das superbreite Oversize-Tretlager für den Leistungsmesser zu wenig Platz bot.Einziger Kritikpunkt war eine starke Spannung am Bowdenzug zwischen Schalthebel und Steuerrohr, welche das Vorderrad permanent nach rechts drückte und den Lenker am Stand immer wieder einschlug. Auch beim freihändigen Fahren störte der stetige Zug nach rechts. Entweder lag es an der Länge des Bowdenzugs oder an einer unglücklichen Postionierung des Kabel-Adjusters; jedenfalls war das Problem mit einem neuen, kürzeren Bowdenzug aus der Welt. Auch habe ich auf den Kabel-Adjuster verzichtet, da er meiner Meinung nach bei 1x11 Sram-Schaltungen nicht notwendig ist und während der Fahrt mehr verstellt als hilft. Achtung: Den Seilzug durch den Rahmen zu dirigieren ist selbst für Könner eine Herausforderung und sollte wohl überlegt bzw. geplant werden.
Alle Kommentare (29) im Forum