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Bildbericht Route 666 RingOstar powered by Bikecity

Bildbericht Route 666 RingOstar powered by Bikecity

19.06.13 08:04 39.276Text: NoManFotos: Erwin Haiden, Markus Kreiner, Thomas JantzenPilzköpfe, John Lennon-Brillen, ein Ring und viele Sterne. Die Premiere des Langstrecken-Kriteriums am Pannonia Ring war mindestens so cool wie heiß.19.06.13 08:04 39.382

Bildbericht Route 666 RingOstar powered by Bikecity

19.06.13 08:04 39.38273 Kommentare NoMan Erwin Haiden, Markus Kreiner, Thomas JantzenPilzköpfe, John Lennon-Brillen, ein Ring und viele Sterne. Die Premiere des Langstrecken-Kriteriums am Pannonia Ring war mindestens so cool wie heiß.19.06.13 08:04 39.382

Hochauflösende Fotos

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"Because the wind is high it blows my mindBecause the wind is high...aaaaaaaahhhh"

The Beatles, Because

Runde 1, und ich schau mehr als nur blöd aus der 2RC/BB-Wäsche. Seit dem Start sind keine 30 Sekunden vergangen, es ist brettleben und trotzdem schlägt mein Herz mit 183 bpm. Das ist zwei Schläge unter meinem Maximum. "Wie unangenehm", schießt es mir durch den Kopf.
Unmittelbar darauf brauche ich mein Oberstübchen für Überlebenswichtigeres als derlei tiefschürfende Reflexionen. Die erste Kurve naht, und ich sehe vor lauter Lenkern und Leuten ihren Radius nicht. Ihr Scheitelpunkt hingegen ist gut zu erkennen: Es ist das Nadelöhr, durch welches anscheinend jeder einzelne der knapp 80 Starter durch will, ganz egal, ob er vorher auf der Kurvenaußen- oder -innenseite war.
Die Linie halten? Nicht, wenn's frisch vom Start weg bereits für 90 Prozent ums nackte Überleben geht. Spurwechsel anzeigen? Später vielleicht, wenn nicht mehr beide Hände das Rad gleichzeitig abbremsen, umlenken und gegen Ellbogen von links und rechts verteidigen müssen.
Ich hatte meine Vorbehalte gegen ein Straßenkriterium mit Massenstart und Sprintwertungen. Und bereits die erste Minute gibt mir vollinhaltlich Recht.

Runde 3, ich schaue nicht mehr, ich schiele. Später wird dieser Durchlauf als mein und vieler anderer Fahrer schnellster in die Annalen der Zeitnehmung eingehen. Trotzdem fährt nach wie vor ein einzelner Kamikaze-Krieger 30 Sekunden voraus.
Der mehrfache Ungarische Meister im Einzelzeitfahren, Gábor Fejes hat, ungeachtet der Mörderhitze von 37 Grad, vom Start weg auf Teufel komm raus attackiert. Nur Karl Schöpf vom Team Radwerkstatt war überhaupt bereit gewesen, die Herausforderung anzunehmen. Nun tritt der 24-Jährige wieder alleine an der Spitze und ungefährdet der ersten Sprintwertung entgegen.

"Because the world is round it turns me on
Because the world is round...aaaaaahhhhhh"

The Beatles, Because
Runde 5, der Name der Veranstaltung holt mich ein: Ich sehe den Ring, wie er sich hitzeflimmernd durch die ungarische Ebene windet. Und ich sehe Sterne, wie sie fröhlich vor meinen Augen und über die Sturzräume links und rechts der Motorsport-Strecke tanzen.
Schon wieder kratzt der Puls beim Versuch, aus einer Kurve heraus am Vordermann dranzubleiben, am Maximum. Neidisch schiele ich nach rechts, wo die ersten Überrundeten als Solisten, Duos oder Trios ihr eigenes Tempo gehen. Dann huschen ein Pilzkopf mit John Lennon-Brille und zwei Hippie-Girls durchs Bild. Ist es Paul McCartney mit seinen Groupies? Oder Richard Starkey himself? Mit allem habe ich vor meinem Antreten beim RingOstar gerechnet. Mich per Muskelkraft in halluzinatorische Bereiche zu befördern, war aber definitiv nicht dabei.

Runde 8, eine Stunde ist fast um. Noch immer bin ich als mittlerweile einzige Dame umgeben von Leuten, die ich normalerweise lediglich am Start und im Ziel sehe. Das aber nur, weil sie endlich einen Hauch Tempo rausgenommen haben. Der Grund dafür fährt zwei, drei Kurven voraus:
Paul Robl und Günter Baringer ist es gelungen, zu Gábor Fejes aufzuschließen. Erst hatte sich das Führungstrio noch erbitterte Sprints geliefert. Nun setzt es auf Teamwork und zieht, vorbildlich zusammenarbeitend, davon. Hinter den Dreien kehren himmlische Ruhe und Erholung ein. Puls 172 - das Leben ist schön.

Runde 12, Halbzeit. Der Mensch gewöhnt sich an alles. So auch an die seltsamen Wege, die eine Horde Radfahrer auf der Suche nach der Ideallinie auf dem Pannonia-Ring in Ungarn nimmt.
Wo die Strecke kerzengerade durch die flirrende Pampa schneidet, schlagen wir wilde Wellen, weil Verwegene Ausreißversuche wagen oder Arbeitstiere von ihren Nachfolgern partout nicht aus der Pflicht entlassen werden. Wo Doppelkurven eigentlich Richtungswechsel vorgeben, stechen wir kerzengerade durch.
Mittlerweile kenne ich meine Begleiter und ihre Marotten, unsere 4,8-Kilometer-Schleife samt ihren 18 Kurven und unseren besonderen Freund, den Wind. Schräglage, antreten, Seite wechseln, Tempo raus. Der Grip ist fantastisch, der Asphalt bis auf zwei Buckel makellos. Die Bremsen brauche ich nur selten, viel eher spiele ich mit Pedaldruck, Windkante, Körperhaltung und Trittfrequenz. Ich werde doch am Ende des Tages nicht noch Spaß haben an dem, was ich da tu?

Runde 16, nun sind sogar schon fast zwei Drittel der Rennzeit geschafft. Vorne an der Spitze verwaltet das Führungstrio seinen zwischenzeitlich sogar auf knapp zwei Minuten ausgebauten Vorsprung und holt sich Gábor Fejes jede Sprintwertung, somit früh den Sieg in dieser Disziplin. Dahinter haben sich zwei Verfolgergruppen mit je einer ungefähren Minute Rückstand gebildet. Karl Schöpf als Anführer der ersten gewinnt alle Zwischensprint-Wertungen um Platz 4.
Ich raste mich derweilen im Hauptfeld auf den Lorbeeren meines anfänglichen Gewaltaktes aus. Mit Isabell Höller, nach unfreiwilliger Solo-Einlage wieder in den Schoß des Windschattens zurückgekehrt, habe ich endlich fröhlich lächelnde Gesellschaft in der salzverkrusteten Männerbastion.

Runde 18: Vom schwindenden Flüssigkeitsvorrat in meiner Flasche abgesehen, kann mir nun nichts mehr passieren. Sprech's, und sehe vor mir ein Loch aufgehen. "Scheiße, Scheiße, Scheiße", brüllt plötzlich mein unmittelbarer Vordermann und drischt auf seinen Lenker, statt in die Pedale zu treten.
Ein Moment der Unachtsamkeit, einmal nicht mit mindestens einem Auge darauf geachtet, was zwei, drei Reihen weiter vorne geschieht, und schon bekomme ich die Rechnung serviert. Die Suppe heißt's jetzt auslöffeln, auch, wenn sie mir nicht besonders schmeckt. Gang einlegen, Wiegetritt, nochmal schalten, Lenker-Untergriff und reintreten, was das Zeug hält.
Wieder rast das Herz und röchelt die Lunge. Bange Sekunden vergehen, aber dann schließt sich langsam, langsam wieder die Lücke. Durch das Hämmern meines Pulses dringt das Rauschen einer Hochprofil-Felge in meinen Kopf: Es ist jemand an meinem Hinterrad mitgefahren. Erleichtert überlasse ich die letzten Meter den Männern mit Schulterbreite 1,50 plus. Feld geschlossen, Lisi tot.

Runde 20: Ich bin nicht die einzige mit Verschleißerscheinungen. Rundherum scheinen sich die Wehwehchen zu mehren: Hände werden geschüttelt, Rücken durchgebogen, Hintern entlastet, Nacken gedehnt. Ab und an steht sogar ein Leidensgenosse am Streckenrand und krampft.
Mir würde vermutlich ähnliches blühen, wenn da nicht Isabell Höller wäre. Bereitwillig gibt mir die Zweitplatzierte von ihren Getränken und bewahrt mich somit davor, zur Labstation in der Boxengasse ausscheren und mein lieb gewonnenes Hauptfeld verlassen zu müssen.
An der Spitze wird's indes noch einmal spannend: Nachdem Jürgen Pansy solo (und vergeblich) versucht hat, das Führungstrio einzuholen, macht die zweite Verfolgergruppe um Hannes Lederer Dampf und dockt an die vor ihr liegende an. Auf weniger als eine Minute Rückstand wird das Feld aber nicht herangelassen.

Runde 23. Die Sonne hat ihr unbarmherziges Tagwerk vollbracht und schickt sich an, dramaturgisch wertvoll unterzugehen. Als glutroter Feuerball sinkt sie dem Horizont der unendlichen ungarischen Weite entgegen. Die Fotografen knipsen wie verrückt, die Teilnehmer staunen.
Halbblind gegen die tiefstehenden Strahlen des gerade noch so gnadenlos herunterbrennenden Himmelskörpers fahrend, kommt es bei Überrundungen und Ausweichmanövern zu einigen letzten Beinahe-Hoppalas. Prinzipiell herrscht jedoch endlich Einigkeit: Nun, nur Minuten vor Schluss, tut keiner mehr dem anderen weh.

Runde 24, ich vernehme Motorenlärm. Das Führungstrio hat uns eingeholt. Paul Robl, Günter Baringer und Gábor Fejes bleiben aber nur gerade so lange wie es braucht, um sich ein paar anerkennende oder aufmunternde Worte aus dem Feld abzuholen. Dann ruft die Hupe zur letzten Sprintwertung des Tages, und pflichtbewusst zieht die Führungsgruppe ab.

Runde 26, die Glocke hat geläutet, drei Stunden sind um. Zwei Minuten nach dem Zieleinlauf der Spitze ist auch für mich das Rennen aus. Um Zentimeter konnte Master-Fahrer Günter Baringer, erst vor zwei Tagen von einem einwöchigen Korea-Aufenthalt zurückgekehrt, seinen zwanzig Jahre jüngeren Herausforderer aus dem Gastgeberland abhängen. Dazwischen zwängte sich noch Amateur Paul Robl aufs Podest.
Shake-hands, Gratulationen; was von den Fahrern noch übrig ist, drängt hungrig und durstig an die Labestation von NoChef.

Eine Stunde später sitzt die ganze Bande geduscht und wieder deutlich frischer auf der Terrasse des Ring-Restaurants. Es gibt viererlei Nudeln, coole Siegertrikots und -trophäen und manch Überraschung im Endklassement: NoPain & Co. drücken in Sachen 99,9 km Mindestdistanz ein Auge zu, Hauptsponsor Bikecity freut sich über gleich zwei Herren am Podest der Master 2 bzw. 3, der einzige Youngster im Bewerb finisht rundengleich mit dem Gesamtsieger im Kreis der Verfolger, Bike Horner staubt beide Teamwertungen ab. Rich:Art läuft zur Hochform auf – nicht immer ist ganz klar, ob der Moderator nun einen Sieger ehrt, oder ein Kabarett-Programm spielt.
„Das war ein großartiges Rennen“, resümiert Gesamtsieger Günter Baringer. „Ich hoffe, das wird’s nächstes Jahr wieder geben.“ Ein Blick in die abgekämpften, aber zufriedenen Gesichter der Teilnehmer, Helfer und Organisatoren rundherum lässt erahnen: Mit dieser Meinung steht der frisch gebackene RingOstar vermutlich nicht alleine da …

"Because the sky is blue, it makes me cry
Because the sky is blue...aaaaaaahhhh"


The Beatles, Because


Auch den Ungarn hat es gefallen. http://bikemag.hu/magazin/hirek/fejes-sikere-a-route-666-ringostar-on-jo-formaban-a-holnapi-idofutam-ob-elott

 

Der Teilnehmer-Tenor war ziemlich einstimmig. Fast niemand konnte sich vor dem Start eigentlich vorstellen um was es geht. ;-)

 

Es besteht fürs nächste Mal also ein erhöhter Erklärungsbedarf. Aber den Modus würden wir so lassen - hat sich ja in der Tat bewährt.

 

Gibts Feedback seitens der FahrerInnen?

Bearbeitet von NoPain
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des glaub i da net. :D in da ergebnisliste steht was anderes ;)

 

na wenn ich wenigstens durchgängig bei einer der von mir erdachten versionen geblieben wäre :rolleyes:

 

Ergebnisliste = Starterliste... und dort hab ich den Namen eingetragen, da der Gü ja auf Urlaub war und sich der Karli mit Computern ned auskennt ;-)

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Unbestritten eine geniale Sache! Idee und Organisation wieder top. Wie konnten wir nur so lange ohne Route 666 leben??? Vielleicht macht ihr das nächste Mal aber auch etwas für die Loser. Denn wenn vorne die Spitzenleute die Punkte abkassieren, ist die Sinnfrage für die abgehängten Leute angesichts von weiteren 2 Stunden Fahrzeit gegeben. Hier würde das eine oder andere "Sprinterl" ein bißchen "Zund" in die Sache bringen.

 

Und bitte die KM Qualifikation entweder wie in der Ausschreibung steht gnadenlos handhaben oder drauf verzichten.

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Das Ganze war eine geile Sache. Bin, falls es wieder so was gibt, dabei.

Leider hat bei mir die Hitze ihren Tribut gefordert und nach einer Stunde war mein Kreiskauf am Ende. :k:

Hat aber trotzdem irre viel Spass gemacht, mit "Profitempo" im Feld über den Ring zu bolzen.

 

Für mich gilt halt das was feristelli schon schrieb: Fest weitertrainieren!

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super bericht (von der siegerin persönlich - gratuliere!) und wahnsinnsfotos!!!

Stimmt, der Bericht ist ein Wahnsinn!

Vor lauter Gier und Büdlschaun keine Worte dafür gefunden. *shame*

 

Lisi, du bist in jeder Hinsicht die Beste!

Mehr live als das geht nicht! :love:

 

Yeah, yeah, yeah!

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echt eine hippiege gschicht

übrigens die erste route666 Veranstaltung an der ich teilgenommen habe, wo ich nicht ganz oben am trepperl steh;))

 

so hab ichs erlebt:

 

lt fb:

 

 

Ring o star

4.platz gesamt

4.platz punktewertung

3.platz mannschaft

2.platz ak

 

Kurzbericht:

In der 1.runde wird attackiert

Das kann ich besser, nur da ist noch einer, der ungarische u23 zeitfahrmeister!

Na dann spurt ma da auch noch hin!

Nur der junge mann versteht nicht, dass ich ein bisserl durchschnaufen mag und drückt 2-3 mal so richtig aufs pedal!

Ok, dann musst du alleine fahrn denk ich mir und lass mich ins feld zurückfallen!

Plan B, günter attackiert dem paul hinterher und sie schliessen gemeinsam zu gabor auf!

Ich nimm ihm feld tempo raus, stell klassisch ab!

Das loch geht auf.

 

Zufrieden setz ich mich hinten rein, konter zwei attacken und freu mich auf die erste sprintwertung, bei der es um den 4.platz buw 7 punkte geht!

Das geht aber einfach

53:11 mit einem richtigen bumms am pedal;)

Und auf einmal bin ich in einer 6 mann verfolgergruppe!

Das loch zu dieser gruppe musste ich zwar im alleingang zumachen , aber wenn man dabeisein will muss man kurz mal schnell fahren!

In folge gewinne ich alle sprintwertungen auf den 4.platz!

Und 5.runden vor schluss setze ich mich auch noch mit zwei nachkömmlingen von dieser gruppe ab!

Im wissen, dass günter vorne das richtige macht, beteilige ich mich an der führungsarbeit und sprinte auf den 4.gesamtrang.

 

Und diese herrn waren vor mir:

 

http://de.m.wikipedia.org/wiki/Gábor_Fejes

3.platz gabor fejes

2.paul

1.

— mit Günter Baringer und Paul Robl

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Stimmt, der Bericht ist ein Wahnsinn!

Vor lauter Gier und Büdlschaun keine Worte dafür gefunden. *shame*

 

Lisi, du bist in jeder Hinsicht die Beste!

Mehr live als das geht nicht!

*blush*

dankeschön!

 

Aber ich muss widersprechen. Die Beste bist eindeutig du - immer dabei, immer lustig, immer ein freundliches wort und g'schau für jeden ...:klatsch: weil entgegen meinen üblichen gewohnheiten habe ich mich am montag ob tempo und konzentration ja glatt ein paar mal beim gar-nicht-mehr-lachen ertappt :eek:

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