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Größe: 175 cm Schrittlänge: 84 cm Gewicht: 70 kg Fahrstil/-können: Rennrad & Gravel, gute Ausdauer, wenig Power, volles Risiko bergab - wird allerdings selten belohnt
Als Scotts 2011 vorgestelltes Aero-Rennrad Foil die Erfolgsserie Addict - den früheren Maßstab der Weightweenies - ablöste, ging ein lautes Raunen durch die Szene. Zwar wurde mit dem Vorreiter erstmals versucht, Leichtbau und Aerodynamik unter einen Hut zu bringen, allerdings gelang es den Schweizern nicht, das Rahmengewicht unter echten 1.000 Gramm zu halten. Heute wissen wir, dass Aerodynamik immer über Gewicht steht, wenn es auf die Performance eines Rennrades ankommt. Dies untermauern zahlreiche aktuelle Windkanaltests und ebenso Scotts beeindruckende Statistik von 115 World Tour-, 16 Grand Tour Etappen- und 3 Klassiker-Siegen, die auf einem Foil errungen wurden.
Trotz dieses Triumphzugs zählte das aktuelle Foil unter den modernen Aero-Rennern mittlerweile zu den guten Allroundern und im Windkanal schnitt es im nur mehr im Mittelfeld ab, denn die Konkurrenz - allen voran Cervelo, Merida, BMC, Giant und Specialized - hatte stark aufgeholt. Mit ihrem neuesten Wurf, dem vor einigen Tagen in Red Bulls Hangar-7 präsentierten Foil 2016, möchte sich Scott die Aero-Krone zurückholen und beweisen, dass sich beste Aerodynamik und gute Fahreigenschaften, welche maßgeblich von Komfort und Fahrstabilität geprägt sind, durchaus vereinbaren lassen.Scott Foil 2016Rahmen: 945 Gramm (HMX, lackiert, inkl. Hardware)Gabel: 335 Gramm (HMX 1" 1/4, ungekürzt)Rahmensatz: 1.295 Gramm (HMX, Größe L, inkl. HW)Kennzahlen aus dem Labor* -70 g, -6 Watt, -27 Sekunden (40 km bei 45 km/h)+13% mehr Tretlager-, +13,5% Steuerrohr-Steifigkeit+89% mehr Rahmen-, +11% Gabel-Komfort* im Vergleich zum alten Foil
Zweieinhalb Jahre arbeitete Entwicklungsingenieur Paul Remy mit seinem Team am Relaunch des erfolgreichen Aero-Renners. Das Hauptaugenmerk galt dabei der Aerodynamik und dem erhöhten Einsatz von Systemintegration. So wurden unter anderem die sogenannten F01-Rohrprofile* nach neuesten Erkenntnissen weiterentwickelt und insbesonders die vertikalen Abschnitte des Rahmens wie Gabel, Steuerrohr, Sitzrohr, Sitzstreben und Sattelstütze, aerodynamisch optimiert. Augenscheinlich wanderte die Anbindung der Sitzstreben weiter nach unten, die Hinterradbremse unter das Tretlager und auch die Verbindung zwischen Steuerrohr und Gabelkopf wurde grundlegend überarbeitet. Optisches Sahnehäubchen ist das voll integrierte Syncros Carbon-Cockpit, welches nicht nur ergonomisch in der Hand liegt, sondern auch das eine oder andere Watt einsparen soll.* Scotts F01-Technologie basiert darauf, dass hinten abgeschnittene Tropfen- bzw. Flügelformen die gleichen aerodynamischen Vorteile bieten wie konventionelle Aero-Formen mit spitz zulaufendem Ende.
Der endgültige Aerodynamik-Test erfolgte im dafür bestens geeigneten GST Windkanal am Bodensee, basierend auf dem Testprotokoll des Tour-Magazins. Ein Dummy mit bewegten Beinen simuliert dabei reale Fahrbedingungen und sorgt für eine hohe Reproduzierbarkeit. Die Simulationen wurden mit 45 km/h Windgeschwindigkeit und Raddrehzahl bei einer Trittfrequenz von 90 U/min durchgeführt. Gemessen wurden alle gängigen Yaw-Winkel von -20 bis +20°. Die Prüfung ergab eine durchschnittliche Leistungseinsparung von 6 Watt im Vergleich zum Vorgänger. Dieser Wert entspricht einem Zeitgewinn von 27 Sekunden über eine Distanz von 40 Kilometern.
Das Steuerrohr des neuen Foil verfügt über hervorragende aerodynamische Eigenschaften, vor allem bei niedrigen Windanströmwinkeln (Yaw-Winkeln), also bei hohen Geschwindigkeiten. Die Gabelkrone wurde ebenfalls aerodynamisch integriert und ermöglicht einen perfekten Übergang zum Rahmen. Diese Maßnahmen konnten den Abstand der Gabel zum Unterrohr stark reduzieren, was zu weniger Verwirbelungen im Bereich hinter der Gabelkrone führt (siehe oben im Abschnitt Aerodynamik).Die neue Gabel ist tapered (1 1/4 - 1 1/2") und besitzt durch die größeren Steuerlager eine sehr hohe Steifigkeit. Die Breite des Steuerrohrs musste deswegen nicht verändert werden und blieb, verglichen mit dem Vorgänger, gleich.
Dank der Shimano Direct Mount Hinterradbremse, die unterhalb des Tretlagers angebracht ist, konnten die Sitzstreben deutlich abgesenkt und ihr Verbindungssteg (Montagebrücke für klassische Bremsenfestigung) entfernt werden. Neben der Einsparung von Material und einem Plus an Komfort wurde der Bereich hinter dem Sitzrohr und der Sitzstreben minimiert und dadurch der Luftwiderstand (weniger Stagnation, besseres Vorbeiströmen) verringert. Wie schon die Gabelscheiden wurden die Sitzstreben auf einen Yaw-Winkel von 3 bis 5 Grad hin optimiert, was sehr hohen Geschwindigkeiten entspricht.
Wie auch sein Vorgänger verfügt das neue Foil über eine Sattelstütze mit optimiertem Übergang zum Sitzrohr und perfekt integrierter Klemme. Die proprietäre Aero-Sattelstütze folgt den aerodynamischen Rohrformen des Rahmens und verfügt wahlweise über einen Setback von 5 mm oder 20 mm. Ein eigens entwickelter Adapter hält Shimanos internen Di2-Stabakku stabil an seinem Platz. Die entfernbare Sattelklemme sitzt windgeschützt in einer Vertiefung des Oberrohrs. Im Vergleich zum Vorgänger bietet sie die doppelte Kontaktfläche zwischen Klemme und Stütze, was aufgrund des reduzierten maximalen Drehmoments Material-Einsparungen an der Sattelstütze (6-7 g) möglich machte.
Das Pressfit-86 Tretlager (Shimano Standard) erlaubt eine sehr breite Verbindung zum Unterrohr und zum verjüngten Sitzrohr. Gemeinsam mit einem speziellen Layup und Scotts patentiertem Carbon-Herstellungsverfahren konnte die Steifigkeit am Tretlager um 13% erhöht werden.
Der Rahmen wurde sowohl für mechanische als auch elektronische Schaltungen optimiert und verfügt über einen einzigen Kabeleingang an der Oberseite des Unterrohrs. Das bietet mehrere Vorteile: zunächst ist diese Position aerodynamisch günstiger als Kabeleinführungen an der Seite des Steuer- oder Unterrohrs, da der Luftstrom durch wegstehende Kabel nicht behindert wird. Darüber hinaus werden die besonders seitensteifen Carbonfasern an der Rahmenaußenseite nicht "verletzt", was die laterale Steifigkeit des Rahmens fördert. Außerdem benötigen weniger Löcher auch weniger Verstärkungen und sind in Summe leichter. Zum "Umbau" von mechanisch auf elektronisch muss nur der erforderliche Kabel-Adapter eingesetzt werden.
Das voll integrierte RR1.0 Cockpit von Syncros unterstreicht die aerodynamische Excellence des neuen Foil. Der optimierte Vorbau geht nahtlos in den Aero-Lenker über, dessen horizontales Rohrprofil auf F01-Technologie basiert. Die vollständige Integration der Bremskabel, Kompatibilität mit mechanischen und elektronischen Schaltungen, zwei Befestigungspositionen für Garmin-Computer und eine innenliegende Di2-Junction sorgen für reibungslose Übergänge und eine saubere Optik. Trotz hoher Steifigkeit wiegt das komplette Cockpit nur 395 g (42 cm Lenkerbreite, 110 mm Vorbaulänge) und ist ebenfalls Aftermarket (samt Reduzierhülsen für 1 1/4" und 1 1/8" Gabelrohre) erhältlich. Zur Einstellung des Stacks gibt's passende Aero-Spacer in 2, 5, 10 und 20 mm.
Neben der Aerodynamik wurde das Foil auch hinsichtlich Gewicht und Steifigkeit optimiert. So kommen beim HMX-Topmodell Ultra High Modulus-Fasern mit extrem hoher lateraler Steifigkeit bei niedrigem Gewicht zum Einsatz. Neben dem Material und der Fertigungsmethode (IMP Technology) kommt es auch ganz besonders auf das Layup, die Legerichtung der Carbonmatten, an. Diese wurde beim Foil mittels neuester FEA-Software (Finite Element Analysis) berechnet. Nach Angaben von Scott zählt der Rahmensatz mit 1.295 Gramm (HMX, Größe L, inkl. Hardware) zu den leichtesten Aerobikes am Markt.Die Montage von Flaschenhaltern mit Trinkflaschen und 25 mm breite Reifen in Kombination mit Laufrädern moderner Breite wurden bei allen Maßnahmen berücksichtigt.
Während das erste Foil für seinen Direct-Power-Transfer, agiles Handling, geringes Gewicht und aerodynamische Performance gelobt wurde, wünschten sich einige Fahrer mehr Komfort. Durch zahlreiche Maßnahmen wie die niedrigen, modifizierten und dünneren Sitzstreben, den Wegfall der hinteren Bremsenbrücke, das flachere Oberrohr, eine bessere vertikale Nachgiebigkeit an Sitz- und Oberrohr dank angepasstem Layup sowie die neu konstruierte Gabel konnte ein Plus an Komfort von 89% am Rahmen und 11% an der Gabel erzielt werden.
Die zwei Topmodelle Foil Premium (Decals in knalligem Orange, Syncros Carbon-Lenker-Kombi, Shimano Dura-Ace Di2, ZIPP 404 Carbon Clincher) und das Foil Team Issue (grüne Decals, mechanische Shimano Dura-Ace, ZIPP 60 Alu-Carbon Clincher) laufen mit dem hochwertigen HMX-Carbon-Rahmensatz vom Band. Außerdem sind beide vorne und hinten mit Shimano Direct Mount Bremsen bestückt.
Aus dem etwas schwereren HMF-Carbonmaterial bestehen die Rahmen und Gabeln der Modelle Foil 10 bis 30, welche in ihrer Steifigkeit nicht ganz an das HMX heranreichen, jedoch signifikant steifer und komfortabler als der Vorgänger sein sollen. Ausgestattet sind die drei Modelle mit Shimano Ultegra Di2 (10), Ultegra mech. (20) oder einer günstigen 105er Gruppe (30). Auf allen HMF-Modellen thront ein integrierter Vorbau von Syncros, der mit einem Standard-Lenker kombiniert werden kann und somit eine flexible Möglichkeit für Auflieger aller Art bietet.Preise standen zum Zeitpunkt unseres Berichts noch keine fest.
Es ist natürlich schwierig, nach einer dreistündigen Ausfahrt ein gründliches Urteil über die Charakteristik eines neuen Rades mit all seinen Stärken und Schwächen abzugeben. Im Falle des neuen Foil war jedenfalls mein erster Eindruck extrem positiv. Die Geometrie des 54er Rahmens, mit gleichem Stack/Reach vom Vorgänger, kam mir als Addict-Liebhaber sehr entgegen und ich fühlte mich darauf gleich wie zu Hause. Sattel auf 75 cm Mitte-Mitte, 7 cm hinter das Tretlager, und die Reise konnte losgehen. Mit einem 120er-Vorbau (statt des montierten in 110 mm Länge) wäre ich sogar schon perfekt fürs Rennen gerüstet gewesen – denn die Ausstattung konnte sich sehen lassen: Zipp 404 FC Clincher, Conti GP4000SII 25 mm, Garmin Edge 1000, angenehmer Rennsattel mit flacher Nase und eine Shimano Dura-Ace Di2 Gruppe samt Sprint-Shiftern an den Lenkerbögen. Im Betrieb zeigt sich der Aero-Renner mit betont sportlicher Sitzposition sehr agil, dennoch laufruhig bei hohen Geschwindigkeiten und außerordentlich steif. Dass jeder Tritt unmittelbar in Vortrieb umgesetzt wird, erspar ich euch dieses Mal. Den wohl größten Aha-Effekt gab es allerdings auf Straßen mit schlechtem Asphalt: denn das gefürchtete, höllisch laute "Prellen" von Laufrädern und Rahmen auf rauer und holpriger Straße stellte sich mit dem Foil nicht ein. Theoretisch könnte dies an den 25 mm breiten Reifen liegen - in meinem Falle allerdings nicht, da ich im Hinblick auf das bevorstehende Fun-ITT am Salzburgring 8,5 Bar rein gepumpt hatte. Somit ist wohl der vertikale Flex des Rahmens an Oberrohr, Sitzrohr und den Sitzstreben für den hohen Komfort verantwortlich. Auch die Sattelstütze gab sichtbar nach, was in Form eines angenehmen Gefühls bis zum Sattel durchdrang. Mein erster Eindruck: steifer als das Addict, allerdings mindestens genauso komfortabel. Stellt sich nur mehr die Frage, welcher Profi zukünftig noch mit dem Addict fährt, denn das neue Foil steht dem Gewichtslimit von 6,8 Kilogramm sicherlich nicht im Wege.
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