Passwort vergessen?
Größe: 180 cm Schrittlänge: 85 cm Gewicht: 73 kg Fahrstil/-können: Gemütlicher Allround-Mountainbiker, gerne auch knackig bergab
Rennrad & Gravel: Das Abenteuer steht im Vordergrund
Nach Jahren, in denen entweder Staub oder Schlamm das Renngeschehen dominierten, präsentierte sich das Salzkammergut diesmal von seiner angenehmsten Seite. Wolken wechselten mit sonnigen Abschnitten, kurze Regenschauer hielten den Staub am Boden und sorgten dafür, dass die Temperaturen auch auf den langen Distanzen erträglich blieben. Anspruchsvoll blieb die Strecke trotzdem. Vor allem in den Trailpassagen verlangte der nasse Untergrund den Teilnehmern Konzentration und Fahrtechnik ab. Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb entwickelte sich eines der schnellsten Trophy-Rennen überhaupt.
Wenn der Teufel seinen letzten Auftritt hat, Feuer und Rauch den Zielbogen in rotes Licht tauchen, tausende Hände im Takt von Hells Bells gegen die Bande trommeln, dann sind das Gänsehautmomente für die Ewigkeit, oder zumindest für einmal Hölle und zurück.
Wer glaubt, die Salzkammergut Trophy bestehe ausschließlich aus Kilometern und Höhenmetern, war vermutlich noch nie selbst vor Ort. Schon Stunden vor dem ersten Start füllt sich Bad Goisern langsam mit Bikes aus ganz Europa. An jeder Straßenecke wird geschraubt, diskutiert oder noch rasch der Reifendruck kontrolliert. Die Expo gleicht einem offenen Fahrerlager, in dem Profis, Hobbyfahrer und neugierige Besucher völlig selbstverständlich nebeneinander stehen.Mit dem Start der Extremdistanz um fünf Uhr früh beginnt schließlich das eigentliche Spektakel. Fast 500 Fahrer verschwinden im Morgengrauen Richtung Ewige Wand und Raschberg. Während sich das Feld auseinanderzieht, erwacht entlang der gesamten Strecke das Salzkammergut.
Und genau dort entsteht jedes Jahr jene Atmosphäre, die diese Veranstaltung so besonders macht
Selbst weit draußen in den Wäldern oder entlang einsamer Forststraßen stehen Zuschauer, die mit Glocken, Hupen, Rasseln oder selbst gebastelten Plakaten auf die Fahrer warten. Manche haben DJ-Pulte aufgebaut, andere versorgen Vorbeikommende spontan mit Wasser oder regionalen Spezialitäten. Manchmal genügt aber auch ein einfaches "Weiter so!", um nach vielen Rennstunden noch einmal neue Kräfte zu mobilisieren. Genau diese Mischung aus Begeisterung und Herzlichkeit macht die Trophy einzigartig.
Auch die Labestationen gehören längst zur Identität der Veranstaltung. Getränke, Obst, Kuchen, Snacks - das Angebot erinnert eher an ein kleines Buffet als an eine klassische Rennverpflegung. Noch beeindruckender ist allerdings die Freundlichkeit der vielen freiwilligen Helfer. Sie motivieren, scherzen und kümmern sich vom ersten Profi bis zum letzten Finisher mit derselben Begeisterung um jeden einzelnen Teilnehmer. Ohne diese hunderten Freiwilligen wäre ein Event dieser Größenordnung schlicht nicht möglich.
Sportlich entwickelte sich das Rennen früh zu einem historischen Tag
Bereits zur Rennmitte zeichnete sich ab, dass Manuel Pliem aus Altaussee einen außergewöhnlichen Tag erwischt hatte. Gemeinsam mit Michael Holland setzte er sich entscheidend vom restlichen Feld ab, ehe Pliem am langen Anstieg Richtung Roßalm das Tempo nochmals erhöhte. Im Ziel blieb schließlich die Uhr bei unglaublichen 8:47:20 Stunden stehen – als erster Fahrer überhaupt blieb er damit auf der Extremdistanz unter der magischen Neun-Stunden-Marke und schrieb Trophy-Geschichte. Michael Holland belegte Rang zwei vor David Schöggl.
Auch bei den Damen gab es eine eindrucksvolle Vorstellung. Bianca Somavilla gewann die Königsdistanz bereits zum dritten Mal und zeigte ein nahezu perfektes Rennen. Dahinter komplettierten die Deutsche Yvonne Kuhnlein und Phila-Moanna Lanner aus Bad Ischl das Podium
Doch die Trophy besteht nicht nur aus der legendären A-Strecke. Über den gesamten Vormittag gingen Mountainbiker und Gravelfahrer auf insgesamt zehn unterschiedlichen Distanzen ins Rennen. Mehr als zehn Prozent der Starter waren mittlerweile bereits mit Gravelbikes unterwegs – ein Zeichen dafür, wie selbstverständlich diese Disziplin inzwischen Teil der Veranstaltung geworden ist. Auf nahezu allen Strecken wurden ausgezeichnete Zeiten erzielt.
Während vorne um Sekunden gekämpft wird, spielt sich weiter hinten eine ganz andere Geschichte ab. Dort geht es oft nicht mehr um Platzierungen, sondern ums Durchhalten, ums gemeinsame Leiden und irgendwann ums Ankommen. Genau dort entstehen viele jener Bilder, die einem noch lange nach der Trophy im Gedächtnis bleiben.
Je später der Nachmittag wird, desto voller wird Bad Goisern. Angehörige, Zuschauer und bereits gefinishte Fahrer säumen den Marktplatz und warten auf die nächsten Ankommenden. Der Moderator kündigt jeden einzelnen Finisher an, tausende Zuschauer applaudieren, völlig unabhängig davon, ob gerade der Sieger oder jemand nach zwölf oder vierzehn Stunden ins Ziel rollt.
Besonders am Abend entwickelt die Zieleinfahrt ihre ganz eigene Magie. Wenn der Teufel seinen letzten Auftritt hat, Feuer und Rauch den Zielbogen in rotes Licht tauchen, tausende Hände im Takt von Hells Bells gegen die Bande trommeln, dann sind das Gänsehautmomente für die Ewigkeit, oder zumindest für einmal Hölle und zurück. Diese letzten Meter sind für alle Teilnehmer mindestens genauso unvergesslich wie die Kilometer davor.
Auch abseits der Rennen war das Wochenende wieder ein Fest für die gesamte Bike-Community. Die Expo lud zum Testen und Fachsimpeln ein, die Scott Junior Trophy brachte hunderte Kinder auf ihre Strecken und bei der Bosch (e)Bike Schnitzeljagd sammelten E-Mountainbiker noch einmal Punkte statt Höhenmeter. So wurde aus einem Renntag erneut ein ganzes Bike-Wochenende für alle Generationen.
Alle Kommentare (25) im Forum