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nicht mehr sehr blond, immer noch blauäugig, schokosüchtiger denn je
Trek hat es schon wieder getan. Nur neun Monate nach dem big bang, den das völlig neu gedachte Aerobike Madone verursachte, präsentieren die Amerikaner abermals einen Meilenstein der Fahrradtechnologie. Diesmal in Endurance-Bereich, und das an einem denkbar passenden Ort. Denn wo und wann ließe sich's besser über Nachgiebigkeit und Performance sprechen, denn zwischen den Frühjahrsklassikern Flandern-Rundfahrt und Paris-Roubaix, auf deren geschichtsträchtigen Kopfsteinpflaster-Passagen jedes Jahr aufs Neue epische Schlachten gewonnen oder verloren werden und das Domane der ersten Generation 2013 Fabian Cancellara zum Doppelsieg führte?Und so hob sich am Abend des 4. April in einem schicken Design-Hotel im belgischen Kortrijk vor zahlreich erschienenem Publikum der Vorhang und enthüllte: die nagelneue Domane SLR-Linie mit einem IsoSpeed-Gelenk auch an der Front, einstellbarem Flex des hinteren IsoSpeed-Mechanismus, gummigedämpftem IsoCore-Lenker, Scheibenbremsen-Option, Reifenfreiheit bis 32c uvm. - mitentwickelt und präsentiert von Stargast Fabian Cancellara.
"It takes paranoia."
Als 2012 die erste Domane-Generation das Licht der Fahrradwelt erblickte, war das Thema Komfort im Rennrad-Bereich noch relativ neu. Bis heute ist Treks damalige Variante, Nachgiebigkeit ins Fahrwerk zu bringen, eine der technologisch wie funktional weitestreichenden am Markt: Ober- und Sattelrohr wurden an ihrem Knotenpunkt durch ein Gelenk voneinander entkoppelt, wodurch letzteres auf beinahe voller Länge flexen konnte. Ergänzend zu dieser IsoSpeed genannten Technologie sorgten vibrationsdämpfende Gabelscheiden und Einlagen am Lenker (IsoZone) für Komfort im Frontbereich.Mit der zweiten Domane-Generation werden diese Ideen nun konsequent fortgesetzt. An Komfort-Features sind ab sofort an Bord:
Der Flex des hinteren IsoSpeed-Gelenks kann in der zweiten Evolutionsstufe variiert werden. Hierzu teilte Trek das Sattelrohr in zwei Teile, die über das IsoSpeed-Gelenk oben und eine Schraube unten, welche gleichzeitig den Flaschenhalter fixiert, miteinander verbunden sind. Zwischen diesen beiden Punkten befindet sich ein Schieber aus robustem Polymer, der die vorwärtige Auslenkung des unteren Sitzturms je nach Fahrerpräferenz begrenz. Folglich gilt: je weiter unten der Schieber ist, desto mehr Nachgiebigkeit wird spürbar. Im Vergleich zum Vorgänger (vertikale Steifigkeit am Sattel ca. 115 N/mm bei RH 56 cm) kann dadurch sowohl ein höherer als auch geringerer Flex (ca. 99-144 N/mm, vgl. Abb.) eingestellt werden. Zwischen unterster und oberster Schieberposition liegen laut Trek je nach Testverfahren 16 bis 31% Nachgiebigkeitsveränderung.
Analog zum hinteren Gelenk dreht sich nunmehr auch der Gabelschaft unabhängig vom Steuerrohr - schlüssigerweise in bzw. gegen die und nicht quer zur Fahrrichtung. Möglich macht dies das sogenannte Entkopplungsglied im extra entwickelten Steuerrohrsystem, das eine gewisse Rotationsfreiheit in Längsrichtung gewährt. Die Lagerschalen sind in diesen Decoupler integriert, verklemmt wird der Steuersatz mit einer separaten, innenliegenden Hülse (vgl. Explosionszeichnung). Im Vergleich zu einem traditionellen Rennrad soll das an der Front, abhängig von der Vorbaulänge, bis zu 10% mehr Nachgiebigkeit bringen.
Die dritte Schraube, an der in Sachen Iso-Komfort-Features gedreht wurde, betrifft den Lenker. Ergänzend zu den IsoZone-Polstern wurde auch am Lenker-Innenleben Hand angelegt. In das Carbon-Gewebe des IsoCore-Bars wurde an strategischen Stellen eine spezielle Gummimischung integriert, welche Vibrationen effektiv dämpfen soll. Hörbar ist diese Extraschicht, wenn man den Lenker zu Boden fallen lässt. Im Vergleich zu einem normalen Carbonlenker (*klonk*) verursacht er nämlich ein Gummiball-ähnliches *Blobb*. Spürbar ist sie laut herstellereigenen Tests mit einem Dämpfungsvorteil von etwa 20 bis 24% gegenüber Carbon- bzw. Alu-Lenkern.
Apropos Tests: Die Entwicklung dieser Komfort-Goodies wurde natürlich wieder von aufwendigsten Versuchsanordnungen, Messungen und Probefahrten begleitet, in die von Anfang an Treks Parade-Athlet für Frühjahrsklassiker, Fabian Cancellara, maßgeblich eingebunden war.Am Beginn stand eine 16-monatige Studie, in der Treks Ingenieure Medienberichte und Fahrer-Feedback analysierte. Heraus kamen als Kritikpunkte eine gewisse Unausgewogenheit der IsoSpeed-Technologie insgesamt, und dass ihr Potenzial nur von Fahrern mit standardmäßigen Proportionen und Gewichten voll ausgenutzt werden konnte. Ausgewogene Systemlösung und individuelle Anpassung standen somit im Pflichtenheft, wobei die Leistungsmerkmale des ursprünglichen Domane keinesfalls beeinträchtigt werden sollten.Binnen sieben Monaten verließen sodann 33 Ideen verteilt auf drei Rahmen, zwei Gabeln und zwei Lenker die Entwicklungsabteilung, um sich bei Labor- und instrumentierten Fahrtests, Computersimulationen uvm. zu beweisen. Unter anderem wurde in Waterloo, Wisconsin eine 100 m lange Nachbildung der berühmten Pflasterstein-Sektion im Wald von Arenberg gebaut, um die Gemeinheiten, auf welchen sich das neue Domane bewähren sollte, unmittelbar vor der Nase zu haben.
"My wife will not like it when I say: it is my third baby."
Zusätzlich zu den drei oben genannten Kernpunkten verfügt das Domane SLR über alles, was moderne Endurance-Bikes eben an Bord haben – und noch ein bisschen mehr. Als Rahmenmaterial wird OCLV-Carbon der 600er-Serie verwendet. An der Front bietet dieses Carbon, kombiniert mit ob der extra abgestimmten Vorbiegung speziell platzierten Ausfallenden, in Form der IsoSpeed-Gabel 7% mehr Nachgiebigkeit als herkömmliche Rennradgabeln. Für Steifigkeit und Effizienz sorgt die bewährte Power Transfer Construction (E2-Steuerrohr, BB90-Tretlager, und dazwischen ein breites, sehr steifes Unterrohr). Ein Teil der Produktion (Pro-Geometrie, Project One) passiert im Stammwerk in Amerika. Erhältlich ist das Rad nunmehr in zwei Geometrien: Wer vorrangig viele Kilometer zurücklegen will, ist mit der Endurance-Ausrichtung wohl bestens bedient: stabil, aber trotzdem rennorientiert, mit einem längeren Steuerrohr für mehr Kontrolle, optimiertes Handling und höhere Agilität. Ein längerer Radstand, ein tieferes Tretlager und ein kürzeres Steuerrohr sollen bei der Pro Endurance-Geometrie die Stabilität und das Handling maximieren, ohne Geschwindigkeit oder Agilität zu beeinträchtigen – Cancellaras erste Wahl.
Ebenfalls Wahlfreiheit herrscht bei der Art der Verzögerung. Nebst Modellen mit Direct Mount-Felgenbremsen gibt es auch solche mit Discs. Komplett neue Flat Mount-Stopper mit flachem Profil sorgen hierbei für eine elegante Optik und geringes Gewicht, 12-mm-Steckachsen für Lenkpräzision und Kontrolle. Was die Reifenfreiheit betrifft, wird geklotzt, nicht gekleckert: Die klassisch verzögerten Versionen schlucken Gummis bis zu 28C samt Kotflügeln (versteckte Schutzblechösen vorhanden!), wer Discs wählt, kann sogar bis 32C samt Fendern aufrüsten. Last but not least gibt’s eine elegante Lösung für den Di2-Akku. Vom neuen Madone wurde nämlich das im Unterrohr integrierte Control Center übernommen. Einfach erreichbar und aerodynamisch unbedenklich, verbrigt sich der Batterieanschluss für elektrische Schaltungen dezent unter der Klappe.
Und wie fühlt sich das alles im wirklichen Leben an? Trek vergönnte uns für die Probe aufs Exempel eine gehörige Portion Authentizität und schickte uns, flankiert von einer ganzen Armada an Begleitmotorrädern, zwecks Testfahrt dorthin, wo es normalerweise weh tut: auf die Hellingen und Kasseien der Flandern-Rundfahrt.
Die Wurzeln des Domane liegen auf genau diesen historischen Kopfsteinpflastern. Und man merkt es, sowie das Vorderrad den ersten Cobble berührt. Mit unnachahmlicher Geschmeidigkeit flitzt es über die Kanten, Mulden und Löcher der legendären Rumpelpisten. Sind diese Passagen mit normalen Rädern ein einziges unangenehmes Gehopse, Gerüttle und Geschüttle, werden sie mit dem Domane SLR zur spaßigen Herausforderung, auf die man sich … nun ja, nicht unbedingt liebend gerne, aber doch mit einem breiten innerlichen Grinsen einlässt. Passiert die Linienwahl auf ungefederten Bikes mehr zufällig als gezielt, halten die Iso-Features die Fuhre dermaßen effizient am Boden, dass man tatsächlich Herr bzw. Frau über die Richtungsvorgaben bleibt – was ich vorrangig den in ihrer Wirkungsweise deutlich und extrem angenehm spürbaren Innovationen am Vorderbau zuschreibe. Das Pushen, das Drücken, das Draufbleiben, das unbeirrte Stampfen im dicken Gang bei gleichzeitig nur lockerem Griff des Lenkers – unabdingbare Maßnahmen, um die Cobbles in halbwegs würdevoller Weise zu überstehen – fallen in Folge mit dem Domane SLR ungleich leichter und man fliegt förmlich dahin, wenngleich es natürlich nach wie vor eigene Muskelkraft dafür braucht.
I'm learning to fly, but I ain't got wings.
Zu behaupten wage ich dies deshalb mit solcher Sicherheit, weil ich bereits die Tage zuvor auf - ebenfalls tollen, aber eben nicht entkoppelten - Rädern die genau gleichen Pflastersteinsektionen absolviert habe, somit unmittelbar vergleichen konnte.
Mehr noch: Strava sagt, dass ich auf einer der längsten und gemeinsten Passagen der Flandern-Rundfahrt, der Kwaremont-Sektion, meinen persönlichen Rekord nicht etwa in der rennartigen Atmosphäre des Ronde Fan Ride (hier geht's zum Bericht) erzielt habe. Nein, es war vielmehr zwei Tage später, ohne zehntausende Fans, die mich akkustisch durchgeprügelt haben, ohne Endorphin-Rausch und ohne das Wissen, angasen zu müssen, um auch die Paterberg-Sektion noch fahren zu dürfen, bevor wieder Cancellara & Co. kommen - aber eben mit dem Domane SLR unter meinem Hintern.Abseits der Cobbles fällt auf, dass dieses Rad ein rundum gelungenes Sportgerät ist, mit fantastischem Handling, bemerkenswerter Ausgewogenheit und keiner Spur von "Pensionisten-Touch". Die Sorge vor ungewollten Hutschbewegungen der nunmehr entkoppelten Front erwies sich als unbegründet. Freilich verfügt das Cockpit nicht über die Steifigkeit eines Madone - was aber noch lange nicht heißt, dass es nachgibt wie ein Gummiringerl.Der Unterschied im Nachgiebigkeitsgrad am Heck ist deutlich zu spüren und rasch herzustellen: Einfach mit einem Inbus (schlauerweise solo mitgenommen oder zumindest nicht an einem zu breiten Minitool angedockt, damit man zwischen dem wahrscheinlich montierten Flaschenhalter gut rankommt) die obere, verlängerte Schraube des Flaschenhalters ein wenig lockern, Schieber verstellen, wieder zudrehen.
Inwieweit dieses System z.B. schmutzresistent (und seien es nur nervige Knarzgeräusche) ist, ob das Domane SLR auch gerne länger klettert oder sich sonst irgendein Haken an der Sache finden lässt, muss ein ausführlicherer Test als die in Belgien absolvierten 70 km zeigen. Das zugehörige Rad - zwecks der Abwechslung und Neugierde eines mit Disc-Bremsen - ist bereits bestellt und schlägt hoffentlich besser heute als morgen in unserer Redaktion auf. Denn selten noch hat eine kurze Probefahrt dermaßen Lust auf mehr gemacht ...
Erhältlich ist das neue Domane SLR mit Endurance-Geometrie ab sofort in fünf fixen Konfigurationen (davon zwei mit Disc) zwischen saftigen 4.499 und schmerzhaften 9.499 Euro, die Rahmensets gibt's um € 2.999,- bzw. € 3.199,- (Disc). Darüber hinaus und dazwischen stehen über das Custom Programm Project One alle Türen offen - speziell auch jene zur Pro-Endurance Geometrie.
Passend zur Location und den großen Eintagesrennen wurde in Belgien auch eine neue Bekleidungslinie vorgestellt: die Bontrager Classique.Inspiriert vom Retro-Trend, aber umgesetzt mit modernsten Materialien, hüllt sich der Randonneur von Welt damit in herrlich angenehme Merino-Oberteile, steigt in geschmackvoll designte Schnürschuhe und schmückt sich mit edlen Accessoires von Lederhandschuh bis Seidentuch.
Das Classique Thermal Long Sleeve gibt's in hellblau oder stahlgrau und besteht aus einem Profila-Merino-Gemisch. Verlängerter Rücken und Silikon-Gripper sorgen für guten Sitz am Bike, Reflektoren für Sicherheit. € 189,99Das Kurzarm-Pendant Classique Jersey tragen Mutige in rosa, Fans mit Logo-Print (Vintage White). Es fällt - wiewohl ebenfalls zu 37% aus Merino - dünner aus als das Langarm, gezippt wird per stabilem Metallringerl. € 149,99
Das Sortiment umfasst auch eine klassische Bib-Short mit inForm BioDynamic-Sitzpolster, luftigem Mesh-Rücken, Silikon-Grippern und stylish gestreiftem Träger (€ 169,99).NoMan trägt hier jedoch die Meraj Women's Short: gleiches Spitzen-Sitzpad, Profila Kompressionsmaterial und top Passform - da rutscht und drückt nichts! In drei Designs und fünf Größen um € 119,99.
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